Das Gebührenverzeichnis für Tierheilpraktiker

Das Gebührenverzeichnis für Tierheilpraktiker gibt die über Umfragen ermittelten niedrigsten und höchsten Beträge für erbrachte Leistungen wider. Es ist nicht vergleichbar mit den Gebührenordnungen der Ärzte, Tierärzte und Zahnärzte. Diese werden von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit dem Bundesarbeitsminister für alle erarbeitet, beschlossen und haben gesetzlichen Charakter, sind deshalb bindend für alle Ärzte, Tierärzte und Zahnärzte.

Tierheilpraktiker sind in der Höhe ihrer Gebühren nicht gesetzlich gebunden und können für ihre Tätigkeit selbst ihre Gebühren festlegen. Um Tierheilpraktikern und auch Tierbesitzern eine Übersicht über die im Durchschnitt von Tierheilpraktikern verlangten Vergütungen zu geben führen die Verbände, die der Kooperation der Tierheilpraktikerverbände Deutschlands angehören, regelmäßig Umfragen bei niedergelassenen Tierheilpraktikern durch. Die Gebühren stellen einen Rahmen dar und zeigen das Ergebnis der jeweils niedrigsten bzw. höchsten Beträge, die bei der Umfrage von den niedergelassenen Kollegen angegeben wurden. Wenn diese Grenzen über- oder unterschritten werden, sollte dies vorher mit dem Patientenbesitzer abgesprochen und vereinbart werden.
Jede von einem Tierheilpraktiker vorgenommene diagnostische oder therapeutische Maßnahme erfolgt aufgrund eines sog. „Behandlungsvertrags“. Ein solcher Vertrag gilt immer dann, auch ohne schriftliche Vereinbarung, als geschlossen, wenn der Tierbesitzer den Tierheilpraktiker aufsucht um sein Tier untersuchen oder behandeln zu lassen, oder der Tierheilpraktiker zur Behandlung eines oder mehrerer Tiere gerufen wird.
Die Vertragsinitiative muss jedoch vom Tierbesitzer ausgehen. Dies kann bereits durch einen Anruf in der Praxis erfolgen. Daraufhin hat der Tierheilpraktiker ein Anrecht auf Vergütung seiner Tätigkeit, auch für die Beratung.
Der Vertrag zwischen Tierheilpraktiker und dem Tierbesitzer ist ein Dienstvertrag gemäß § 611 Abs. 1 BGB:
“Durch den Dienstvertrag wird derjenige, welcher Dienst zusagt, zur Leistung der versprochenen Dienste, der andere Teil zur Gewährung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.”
und weiter im § 612 Abs. 1 BGB
“Eine Vergütung gilt als stillschweigend vereinbart, wenn die Dienstleistung den Umständen entsprechend nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist.”
Dies ist beim Tierheilpraktiker der Fall, weil er seine Tätigkeit berufsmäßig ausübt und diese damit seine Lebensgrundlage bildet.
Da die Höhe des Honorars überall, wo es zu Beginn der Behandlung nicht vereinbart wurde, als „stillschweigend vereinbart” gilt, kann der Tierheilpraktiker für seine Leistung ein „angemessenes” Honorar berechnen. In der Frage der „Angemessenheit” der in Rechnung gestellten Gebühren leistet das Gebührenverzeichnis für Tierheilpraktiker wertvolle Hilfe.
Zu berücksichtigen sind in der Frage der „Angemessenheit”

  • die Umstände des Einzelfalls (ggf. die wirtschaftliche Situation des Tierhalters),
  • die Beschaffung und Schwierigkeit der Leistung
  • der Zeitaufwand

Wenn aufgrund eines besonders hohen Aufwands höhere als im Gebührenverzeichnis für Tierheilpraktiker als höchste Grenze angegebene Gebühren berechnet werden, so ist eine vorherige Vereinbarung mit dem Tierbesitzer angebracht.

Untersuchungskosten

Allgemeinuntersuchung

Unter einer Allgemeinuntersuchung ist die Untersuchung mehrerer Organsysteme zu verstehen. Beim Tierheilpraktiker kann davon ausgegangen werden, dass er bei einer Erstuntersuchung das betreffende Tier 2von Kopf bis Fuß” untersucht, und sich nicht mit einem kurzen Blick auf das Äußere begnügt. Zu einer Allgemeinuntersuchung gehören Untersuchungsmethoden, die mit einfachen Hilfsmitteln durchzuführen sind:

  • äußere Inspektion
  • Palpation ( Untersuchung durch Abtasten mit dem Händen)
  • Auskultation der Atemwege und anderer Organsysteme
  • einfache Urinuntersuchung mit Teststreifen


Spezielle Untersuchungen

Der Tierheilpraktiker ist in seiner Diagnostik (fast) völlig frei, was die verschiedenen Untersuchungsmethoden anbelangt. So werden neben schulmedizinisch- klinischen Untersuchungsmethoden auch alternative Untersuchungsmethoden angewandt.
Diese Untersuchungen können dann auch separat berechnet werden.

Beratung

Beratungen gehören in der Tätigkeit des Tierheilpraktikers wohl mit zum wichtigsten Teilbereich der Kommunikation mit den Tierbesitzern und erfordern viel Zeit. Gerade dies wird von vielen Kollegen noch nicht im ausreichendem Maße in die Honorarforderungen eingebracht.
Tierbesitzer, die ihr krankes Tier zum Tierheilpraktiker bringen, geben sich im allgemeinen nicht mit einer Spritze, ein paar Tabletten und dem Zettel für den nächsten Besuch zufrieden. Die Tierbesitzer wollen beraten werden, sie suchen den Rat des Tierheilpraktikers. Hierzu gehört auch z.B. in der Kleintierpraxis die Beratung bei Verhaltensstörungen, die in letzter Zeit immer mehr zum Problem werden. Hierfür ist oft ein besonders großer Zeitaufwand nötig. Dieser sollte sich dann entsprechend im Gebührenrahmen ausdrücken.Die Höhe der Beratungsgebühren können deshalb im Einzelfall bei Kleintieren auch schon einmal den Kaufpreis des Tieres übersteigen, wenn eine Futter- und Haltungsberatung für eine Goldhamster einen Zeitaufwand von einer Stunde übersteigt.
Besonders Großtierpraktiker neigen dazu, die Beratungsgebühren bei Kleintieren nach “Gewicht” zu ermessen.
Vergessen Sie nicht: “Was nichts kostet ist auch nichts wert!”.
Tierheilpraktiker sind in der Höhe ihrer Beratungsgebühren frei. Dies sollte aber nicht dazu führen, dass die Honorarforderungen weit über das Maß hinausgehen, das z.B. Tierärzte für ihre Beratungen nehmen.
Denken Sie jedoch immer an die “Angemessenheit” der Gebühren.
Wenn ein Schüler die Behandlungskosten für sein Tier von seinem Taschengeld bestreiten muss, sollte das in der Berechnung des Honorars sicher berücksichtigt werden.

Therapeutische Maßnahmen

Injektionen

Bei den Injektionen, die von Tierheilpraktiker durchgeführt werden, ist zu beachten, dass die Kosten für die einzelne Injektion ohne oder inklusive Medikament abgerechnet werden.
Besonders bei Großtierpraktikern hat es sich eingeführt und bewährt, die Injektionen inklusive Medikament abzurechnen. Bei besonders teuren Medikamenten ist eine Einzelberechnung ggf. besser.
Dies entbindet jedoch nicht von der Verpflichtung, über die verwendeten Medikamente genau Buch zu führen und dies im Bedarfsfall lückenlos nachweisen zu können.


Wundbehandlung

Selbstverständlich wird ein Tierheilpraktiker kleinere und größere Wunden behandeln, im Bedarfsfall auch mit einer Wundnaht. Das dafür verwendete Material, (Nahtmaterial, Verbandstoffe) sollte in der Rechnung aufgeführt sein. Ebenso das verwendete Verbandsmaterial bei Verbänden.

Wegegebühren

Bei Hausbesuchen werden die Wegegebühren wahlweise nach der Entfernung je gefahrenen km oder pauschal abgerechnet.
Viele Kollegen verlangen für Hausbesuche am Praxisort eine Besuchspauschale.
Ebenso berechnen Großtierpraktiker Pauschalen für die Anfahrt zum Hof.
Verzichten Sie nicht auf die Berechnung von Fahrtgebühren. Dies ist bei den heutigen Fahrzeugkosten wirtschaftlich unsinnig.

Rechnungslegung

Eine Vergütung wird erst fällig, wenn dem Zahlungspflichtigen die Rechnung vorgelegt wird.


Rechnungsform und Nachweis
Die Rechnung sollte folgendes enthalten:

  • Name und Adresse des Tierbesitzers (Zahlungspflichtigen)
  • Name und Adresse des Ausstellers
  • Behandlungsdatum
  • Name des behandelten Tieres
  • Bezeichnung der Krankheit
  • Leistungen des Tierheilpraktikers möglichst einzeln aufgeführt
  • Bei Ersatz von Auslagen (Verbandmaterial, Fremdlaborkosten u.a.) Betrag und Art der Auslagen

Die Rechnungen sollen möglichst bald nach Abschluss der Behandlung zu erstellen, Rechnungen aus dem letzten Kalenderjahr bis spätestens 31. März des Folgejahrs.


Verjährung

Nach § 196 BGB Abs. 1 Ziff. 7 verjähren die Ansprüche aus Rechnungen innerhalb von 2 Jahren.
Die Verjährungszeit beginnt mit dem Schluss des Kalenderjahres, in dem der Anspruch entstand( §201 BGB)
Das heißt konkret, dass für Rechnungen, die im Januar gestellt wurden, fast drei Jahre Verjährungsfrist bestehen.
Doch die Hoffnung, man habe genügend Zeit trügt.
Die Verjährung wird nicht durch Mahnungen unterbrochen, sondern nur wenn gerichtliche Hilfe in Anspruch genommen wird in Form eines gerichtlichen Mahnbescheides.

Behandlungsvertrag

Um Probleme mit zahlungsunwilligen Klienten von vornherein zu umgehen, ist es empfehlenswert, mit den Tierbesitzern bei geringeren Honoraren Barzahlung zu vereinbaren oder im Zweifelsfall einen Behandlungsvertrag abzuschließen.
Ein Musterbeispiel eines solchen Vertrages ist umseitig und auf der Rückseite des als Einzelblatt erhältlichen Gebührenverzeichnisses abgedruckt.
Der Tierhalter hat einen Anspruch darauf, die Höhe der Gebühren vorher zu erfahren. Hierzu dient das Gebührenverzeichnis als Rahmenvereinbarung.