Der Heilpraktikerberuf in der Kritik und das Streitgespräch FVDH kontra Ärztekammer

Der Heilpraktikerberuf in der Kritik

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

unser befreundeter Berufsverband FH e.V., auch Mitglied im DDH (Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände e.V.) hat die Bundeszentrale von Parteien zu ihrer Haltung gegenüber Heilpraktikern befragt. Angesprochen wurden die Parteien, die entweder im Bund oder in den Ländern Regierungsverantwortung tragen oder demnächst wahrscheinlich tragen werden. Hier der Kommentar:


Die CDU/CSU will die Wirkung der Gesetzesänderung 2016 und der neuen Leitlinien überprüfen und dann diskutieren, ob mehr und anderes notwendig ist.
Die SPD will weitergehend diskutieren, ob und ggf. welcher Handlungsbedarf für die Berufszulassung und die Frage der Therapiefreiheit besteht. Beschlüsse, bestehende Behandlungsverbote auszuweiten, existieren bisher nicht.
Bündnis 90/Die Grünen sehen auf jeden Fall weiteren Handlungsbedarf, insbesondere auf dem Gebiet der Ausbildung.
Die FDP will uns akademisieren oder das Erlernen eines bisherigen Gesundheitsberufes zur Pflicht machen. Invasive Techniken sollen uns auf jeden Fall genommen werden. Beides zusammen wäre aus unserer Sicht das Ende der Heilpraktiker.
Die Linke stellt unsere Kompetenz für invasive Methoden infrage.
Alle Parteien signalisieren Gesprächsbereitschaft.

 

Streitgespräch FVDH kontra Ärztekammer

Am 06.09.2017 fand ein Treffen beim Aschendorff Verlag, der Westfälischen Nachrichten sowie der Münsterschen Zeitung, statt. Der Termin war um 14 Uhr.
Anwesend bei diesem „Streitgespräch“ waren die einladende Redakteurin Frau Völker, hinzu kam noch ein weiterer Redakteur der Zeitung, Christian Wilms als Vertreter des DDH, ich als Vertreter des FVDH sowie Theodor Windhorst, der Präsident der Ärztekammer.
Nach kurzer Vorstellung aller Beteiligten und einem allgemeinen Geplänkel haben wir kurz über das Heilpraktiker Memorandum von Frau Schöne-Seifert gesprochen. Herr Windhorst hat dieses Thema als für ihn nicht so wichtig abgehakt.
Seine Einstellung und damit die der Ärztekammer ist in Zusammenfassung:
Der Heilpraktiker sollte nur sogenannte Befindlichkeitsstörungen behandeln, da er ja keine „richtigen Diagnosen“ stellen kann / darf.
Somit darf er auf keinen Fall Krebspatienten behandeln und muss bei allen ernsteren Erkrankungen diese auf jeden Fall dem Arzt überweisen.
Auf keinen Fall sollte der Heilpraktiker invasive Therapien anwenden, wie z.B. jegliche Art von Injektionen.
Nach seiner Ansicht betreibt der Heilpraktiker keine Heilkunde, sondern lediglich Heilpraktiken und somit sollte er nur leichte Befindlichkeitsstörungen behandeln.
Er betonte mehrere Male, dass er den Heilpraktiker nicht abschaffen wolle, aber ganz strikt in bestimmte Grenzen der Behandlung verweisen will.

Herr Wilms und ich haben selbstverständlich argumentativ dagegen gehalten und Herrn Windhorst deutlich gemacht, dass er ein völlig falsches Bild vom Heilpraktikerberuf zeichnet, er über die Heilpraktiker urteilt, ohne genügend Kenntnisse von diesem Berufsbild zu haben und die Ärztekammer nicht das Recht hat, in dieses Berufsbild und unsere Tätigkeit einzugreifen.
Wir haben ihm klar gemacht, dass wir, die Heilpraktiker, zum überwiegenden Teil gut ausgebildet sind und sehr wohl in der Lage sind, ein Krankheitsbild diagnostisch klar einzuschätzen und dementsprechend auch zu behandeln.
Wir haben ihm auch klar zu verstehen gegeben, dass es umgekehrt der Fall ist. Nämlich dass Patienten meist vom Arzt zu uns kommen, weil die Behandlung dort keinen Erfolg hatte und nicht umgekehrt wie er behauptet.
Fazit dieses Streitgesprächs ist: Die Ärztekammer will über die neuen Leitlinien ihre Forderung durchsetzen.

Aber hier die aktuelle Aussage von Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen: “Das Heilpraktikerwesen hat einen festen Platz in unserer Gesundheitsversorgung. Die Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker leisten schon jetzt einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung”.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Siegfried H. W. Schierstedt
Vorstand