FVDH-Kommentar zu aktuellen Antiheilpraktiker-Kampagnen:

Im sog. „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ vom 21.08.2017 fordert ein Autorenteam die Abschaffung des Heilpraktiker-Berufes bzw. die Ablösung durch die Einführung eines Fachheilpraktikers für bestehende Gesundheitsfachberufe, was einem Ende der klassisch naturheilkundlichen Tätigkeit gleichkommt.
Davon abgesehen, dass in dieser sog. „Expertengruppe“ kein Naturheilkundler – geschweige denn Heilpraktiker – befragt wurde, sind die Begründungen sowas von daneben, dass man sich fragen muss, woher diese „Heil-Theoretiker“ ihre Informationen haben – aus dem Praxisalltag im Umgang mit Patienten anscheinend nicht!
Mögliche therapeutische Schadenspotentiale ausdrücklich den alternativen bzw. den komplementären Therapieverfahren und insbesondere den Heilpraktikern zuzuordnen, ist eine dogmatische – wenn bewusste, dann freche – Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse:
- ca. 19.000 Tote durch vermeidbare Behandlungsfehler in den Kliniken
- die TKK fordert allein für 2016 14 Mio. € von Ärzten und Kliniken für die Folgekosten nach falscher Behandlung zurück
- 1,6 Mio. Bundesbürger kommen als Notfallpatienten wg. unerwünschter Medikamentennebenwirkungen in die Kliniken

Weiterhin scheint es der „Expertengruppe“ vollkommen unbekannt zu sein, dass etliche Patienten – wenn nicht sogar die Mehrzahl – uns deshalb konsultieren, weil die schulmedizinische Vorbehandlung offensichtlich keinen Erfolg hatte.
Mit den Patienten-Kommentaren zu ihren ärztlichen Vorbehandlern, deren Umgangston und tlw. haarsträubenden Verdachtsdiagnosen könnte man Bücher füllen!

Die Heilpraktikerschaft hat die empirisch belegten erfolgreichen Naturheilverfahren (Akupunktur, Homöopathie, Chiropraktik…) in Europa und spez. hier in Deutschland gegen die jahrzehntelangen Anfeindungen der naturwissenschaftlich orientierten Schulmedizin „gerettet“ und weiterentwickelt.
Die Heilpraktikerschaft entlastet(!) das Gesundheitssystem durch ihre überwiegend selbstzahlenden Patienten.
Das Ansehen und den hohen Stellenwert des Heilpraktikers in der Bevölkerung haben wir uns als freie Therapeuten selber erarbeitet.

Warum nun diese unbegründeten und fadenscheinigen Aktivitäten?
Unsere Einschätzung:
Es gibt keine sachlichen Argumente für eine Abschaffung der Heilpraktiker.
Diese Kampagnen sind ideologisch begründet und zeigen die Nöte einer zunehmenden Konkurrenzsituation zwischen schulmedizinisch angebotenen Igel-Leistungen und den „lästigen“ Heilpraktikern auf. Alles zielt auf eine Monopolstellung von Schulmedizinern und Großpharmaindustrie im Medizinsystem ab.
Kurz vor Landtags- und Bundestagswahlen soll wohl auf die Politik Einfluss genommen werden – der Anteil von Schulmedizinern mit entsprechenden „Seilschaften“ in der Politik ist allerdings nicht von der Hand zu weisen.

Eine rechtliche Beurteilung und evtl. weitere Stellungnahmen zum „Experten-Memorandum“ und anderen unqualifizierten Aktionen behalten wir uns vor.

Siegfried Schierstedt, Heilpraktiker
Matthias Mertler, Heilpraktiker
Vorstand Freier Verband Deutscher Heilpraktiker e.V. (FVDH)