Kommentar zum DAZ-Artikel vom 17.08.2016:

Interview mit CDU-Politiker Rudolf Henke
Vorsitzender des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Präsident der Ärztekammer Nordrhein,
Vorsitzender des Marburger Bundes

Die Heilpraktiker-Erlaubnis sollte begrenzt werden

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Anlass für diesen Artikel in der Deutschen Apotheker-Zeitung waren drei Todesfälle in einem „Biologischen Krebszentrum“ in Brüggen-Bracht, zu der die Staatsanwaltschaft Krefeld ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat.
Wie immer bei solchen Zwischenfällen – so bedauerlich und leidvoll sie auch für die Betroffenen sein mögen – treten die Medien auf den Plan. Obwohl die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, werden wieder Spekulationen zur Änderung der Heilpraktiker-Zulassung und der therapeutischen Kompetenz der Heilpraktiker genährt.

Davon abgesehen, dass der Interviewer Überschrift und die Einleitung arg plump auf entsprechende Schlagworte herunter gebrochen hat, sind die Aussagen von Rudolf Henke durchaus diskussionswürdig. Einige seiner Kommentare decken sich auch mit den Forderungen unseres Verbandes zu einer verantwortungsvollen Berufsausübung:
Kenntnisse in Physiologie, Pathophysiologie, Pharmakologie, Beachtung des Heilmittelwerbe- und Patientenrechte-Gesetzes, kompetente Ausbildung in therapeutischen Verfahren – insbesondere bei den invasiven Verfahren (Injektionstechniken, Infusionen, Akupunktur, Notfallausbildung usw.).
Ein Blick in die Berufsordnung für Heilpraktiker hätte auch nicht geschadet…

Natürlich müssen wir stets die individuelle und eigenverantwortliche Entscheidung treffen, ob wir den Patienten mit unseren therapeutischen Möglichkeiten helfen können, oder sie evtl. beim Facharzt besser aufgehoben sind.
Diese Sorgfaltspflicht gilt für den Heilpraktiker genauso wie für den Hausarzt!

Aufgrund von Einzelfällen wieder den ganzen Berufsstand in Frage zu stellen und ein allgemeines Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung zu konstruieren, ist albern.
Die äußerst niedrigen Schadensquoten bei den HP-Berufshaftpflichtversicherungen sprechen für sich. Die Praxis-Zwischenfälle in der Schulmedizin sowie die zahlreichen Toten aufgrund von Fehl- und Multimedikation – die Therapie-Leitlinien lassen grüßen – erfordern sicherlich einen deutlich größeren Überprüfungs- und Nachbesserungsaufwand.

Herr Henke ist aber auch nicht für die Abschaffung unseres Berufsstandes, sondern hat seine Ansichten zur Verbesserung der Rahmenbedingungen kundgetan.
Auch die HP-Verbands-Leitungen arbeiten ständig daran, unseren Berufsstand durch qualitativ hochwertige Ausbildungsangebote und gemeinsame QM-Maßnahmen zu sichern. Auch wir sind dafür, den „schwarzen Schafen“ das Handwerk zu legen – sowie es wohl jede Berufsgruppe fordert.

Lassen wir uns unseren freiberuflichen, in der Bevölkerung hochakzeptierten Beruf nicht zerreden, sondern weiterhin verantwortungsvoll im Sinne unserer Patienten arbeiten.

Matthias Mertler
Vorstand des Freien Verbandes Deutscher Heilpraktiker e.V. (FVDH)