Kommentar zur aktuellen Heilpraktiker-Diskussion:

Anlass waren drei Todesfälle in einem „Biologischen Krebszentrum“ in Brüggen-Bracht, zu der die Staatsanwaltschaft Krefeld ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat.

Trotz der noch laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen haben sich einige Politiker vorschnell zu Wort gemeldet („…das Gesetz muss reformiert werden.“ „…den Heilpraktikerberuf verbieten.“).
Die Medien und Ärztevertreter haben das gern aufgegriffen – mit ihren Kommentaren aber auch ihre Wissenslücken zur Heilpraktiker-Zulassung und -Überprüfung deutlich gemacht.

Wohltuend davon abgehoben haben sich die Aussagen von Gesundheitsminister Gröhe, der am 09.09.2016 im Bundestag zur Gelassenheit mahnte und dazu riet, die Untersuchungen abzuwarten. Gleichzeitig sprach er sich dagegen aus, die Heilpraktikerausbildung staatlich zu regeln, was der Patientensicherheit s.M.n. auch nicht nützt.

Die im Dachverband Deutscher Heilpraktiker-Verbände e.V. (DDH) zusammengeschlossenen Verbände, zu denen auch der FVDH e.V. als Bundesverband gehört, sind sich einig, dass eine staatliche Reglementierung der HP-Ausbildung weder erforderlich noch sinnvoll ist.

Durch die HP-Überprüfung nach bestehenden Kriterien gewährleistet der Gesetzgeber den erforderlichen Patientenschutz.
Statt neue staatliche Befugnisse und Regularien zur HP-Ausbildung über Bundesrecht zu fordern, sollten die bestehenden Vorgaben effektiver angewendet werden:
Einzelne Bundesländer haben einen zeitlichen Verzug bei der Überarbeitung und Umsetzung ihrer HP-Richtlinien. Ob daraus resultierende Versäumnisse bei den Aufsichtsbehörden i.o.g. Fall eine Rolle gespielt haben, ist aber auch noch nicht geklärt.
Es besteht kein Erfordernis für weitergehende rechtliche Eingriffsbefugnisse.

Eine Aktualisierung der Vereinheitlichung und Sicherung des Berufsstandes könnte natürlich überdacht werden – die Berufsverbände bieten erneut ihre Hilfe bei der Verbesserung der aufsichtsrechtlichen Arbeit an.

Zum aktuellen Stand 21.09.2016:
Am 06.09.2016 gab es eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen an das Bundesministerium für Gesundheit zu
Patientenschutz und Reformbedürftigkeit des Heilpraktikerrechts in Deutschland
(statistische Daten zur HP-Schaft; Regelungskompetenz des Bundes zu Ausbildung, Zulassung und Berufsausübung der HP; Notwendigkeit zur Überarbeitung des HPG; Therapiebeschränkungen; Berufsrecht…)

Antworten der parlamentarischen Staatssekretärin A. Widmann-Mauz im Namen der Bundesregierung in Auszügen:
…das Bundesministerium für Gesundheit sieht keinen Handlungsbedarf…
…die laufenden Ermittlungen sind nicht abgeschlossen…
…die Bundesregierung hält eine sachliche Diskussion für geboten…
…die Überprüfung und Überwachung der HP fällt in die Zuständigkeit der Länderbehörden…
…die Bundesregierung verweist auf die freiwillige Berufsordnung für HP und ein Urteil des BGH vom 29.01.1991 (Az.: VI ZR 206/90) („Sorgfaltspflichturteil“ / Anm. des Verfassers)…
…die Bundesregierung nimmt die aktuellen Vorgänge zum Anlass für eine kritische Prüfung im Bereich der komplementärmedizinischen Methoden. Ob sich daraus Handlungsbedarf ergibt, wird im Rahmen dieser Prüfung zu entscheiden sein.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ob es strengere Regeln zur Heilpraktikerzulassung geben wird, wie es die Medien schon ankündigen, ist demnach noch gar nicht abzusehen.

Ich möchte diese Gelegenheit aber auch nutzen, auf die „Pflichtübungen“ des HP-Berufes hinzuweisen:
Gem. o.g. „Sorgfaltspflichturteils“ ist jeder Therapeut verpflichtet, in den angewendeten Therapieverfahren Ausbildungs- und Fortbildungsnachweise zu erbringen.
Das gilt insbesondere für alle invasiv tätigen KollegInnen, die einen autorisierten Nachweis in Injektionstechniken in Kombination mit einer Notfall-Ausbildung, die alle 2 Jahr wiederholt werden muss, benötigen.
Können diese Nachweise bei einem Praxiszwischenfall nicht erbracht werden, spielt die Haftpflichtversicherung nicht mit und ein Strafverfahren ist die Folge!

Aktuelle Seminarangebote finden Sie auf der FVDH-Homepage unter Aus- und Fortbildung / Seminare oder unter Seminarsuche. Weitere Termine für 2017 sind in Planung.
Ich wünsche Ihnen trotz aller unangenehmen Begleiterscheinungen weiterhin viel Freude und Erfolg in Ihrer Praxis.

Matthias Mertler
Vorstand des Freien Verbandes Deutscher Heilpraktiker e.V. (FVDH)