Deutscher Heilpraktikertag Karlsruhe 2019

Durch die Umbauarbeiten am Kongresszentrum, die sich wohl auch noch bis Ende 2020 hinziehen werden, wurde der traditionelle Heilpraktiker-Kongress des Dachverbandes Deutscher Heilpraktiker-Verbände e.V. (DDH) zum zweiten Mal in der Gartenhalle durchgeführt.
Trotz großer organisatorischer Herausforderungen fanden sich an die 160 Aussteller pharmazeutischer und med.-technischer Firmen und ca. 850 Besucher wieder bei herrlichstem Wetter ein, um informative Gespräche und Kontakte zu knüpfen.
Wir bedanken uns an dieser Stelle für das Interesse der Kolleginnen und Kollegen und bei den Ausstellern für ihr Engagement und die Unterstützung unseres Berufstandes.


Begrüßung
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren der ausstellenden Industrie, verehrte Gäste,
liebe Präsidentinnen und Vorsitzende der beteiligten Heilpraktiker-Verbände.

Im Namen des Dachverbandes Deutscher Heilpraktiker-Verbände e.V. (DDH) begrüße ich Sie ganz herzlich zum diesjährigen Deutschen Heilpraktikertag hier in Karlsruhe.

Ich möchte gern das diesjährige Kongress – Motto aufgreifen:

„Heilpraktiker – unverzichtbar im Gesundheitswesen!“

Die sicherlich erforderliche Neuordnung bzw. Ökonomisierung des Gesundheitswesens haben für Patienten nicht nur Vorteile:

Durch den Zwang zum Sparen, durch Therapie-Leitlinien, überfüllte Arzt-Praxen und dem damit einhergehenden Zeitmangel empfinden viele Patienten das nicht nur als nervig und lange Wartezeiten als unzumutbar, sondern die sich zwangsweise dadurch ergebenden Diagnose- und Therapie-Versäumnisse(!) – nicht nur in der Hausarztbetreuung – erzeugen einen Vertrauensverlust der Schulmedizin gegenüber, der vielfach zumindest in meiner Praxis auch so kommuniziert wird.

Zitat: „Das Vertrauen schwindet, sobald die Menschen das Gefühl haben, Ärzte behandeln mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten als nach den Anforderungen des Patienten“
…wie eine Auswertung von multinationalen Daten 1981 – 2007 ergeben hat.
Quelle: DocChec News v. 20.05.2015, Hui Zeng / USA

Da muss man sich nur mal die – nach meinem Empfinden – bis zur Fahrlässigkeit abgespeckten Labor-Untersuchungen ansehen!
Gut – es geht hier vielfach um orientierende Erstuntersuchungen.
Man sollte aber doch auch mit diesen Ergebnissen eine gewisse Aussagekraft verbinden, um daraus therapeutische Konsequenzen ableiten zu können.

Häufige Patienten-Kommentare zu diesem Problem sind:
„Mein Doktor hat sogar das große Blutbild gemacht – er sagt, es ist alles in Ordnung…“
Dass das sog. Große Blutbild nur aus dem kleinen und der Leucozyten-Differenzierung besteht, wird dem Pat. nicht erläutert – dazu kommen oft nur noch ein paar vereinzelte Parameter wie Glucose-, Gesamt-Cholesterin- und Gamma-GT… das war’s dann auch schon.

Nehmen wir noch das Darmkrebs-Vorsorge-Angebot:
Man kann die Endoskopie und den Test auf Blutungen mit viel gutem Willen noch als Früherkennung bezeichnen, aber mit Vorsorge hat das nicht viel zu tun:
Funktionelle Störungen, Milieuschäden, Fehlbesiedlungen und dadurch bedingte immunologische Fehlleistungen wie z.B. Allergien, systemische Autoimmunerkrankungen usw. lassen sich nun mal nicht optisch erkennen.

In unserer Praxis läuft es daher andersherum: da wird zuerst eine vernünftige Stuhl-Untersuchung gemacht – wenn es Hinweise auf Entzündungen, Blutungen, Polypen und Krebs gibt, empfehlen wir dann natürlich auch die Endoskopie durch den Facharzt zur weiteren Abklärung!

Allein durch diese geschilderten Probleme in unserem Gesundheits-System haben die HeilpraktikerInnen und Heilpraktiker ihre „Daseinsberechtigung“ – wenn man das so nennen möchte.

Es gibt aber auch reichlich andere Fakten, die für den Heilpraktiker als freien therapeutischen Beruf sprechen:
Viele Patienten leiden zunehmend häufiger unter multifaktoriellen, komplexen Beschwerdebildern durch Belastungen mit Umweltgiften, durch Fehl- / Mangelernährung, chronischen Infekten, Reizüberflutung, Dauerstress am Arbeitsplatz und in der Freizeit…
Diese Vielfachbelastungen können mit den herkömmlichen schulmedizinischen Denk- und Therapie-Mustern – wenn überhaupt – nur symptomatisch behandelt werden.
Diese kaum bediente Nische im Gesundheitssystem erfordert zudem komplett andere Denk- und Arbeitsmodelle.

Unsere komplementär-diagnostischen und -therapeutischen Verfahren basieren z.T. auf jahrzehntelangen – manchmal sogar jahrtausendelangen – Erfahrungen, die nicht in ein naturwissenschaftlich-schulmedizinisches System übertragen bzw. integriert werden können.

Die „Nachmacher“ auf der schulmedizinischen Seite, die eben diese andere „Philosophie“ nicht verinnerlicht haben und bei denen naturheilkundliche Verfahren deshalb oft nicht wirken, verunsichern interessierte Patienten auch noch, was uns manchmal zusätzliche Zeit für Erläuterungen und Aufklärung kostet, wenn diese Patienten anschließend zu uns kommen.

Aus naturheilkundlich-ganzheitlicher Sicht ist jede Krankheit ohne Ausnahme ein individueller Prozess. Diesen mit leitliniengerechten, standardisierten Therapien behandeln zu wollen, ist vielfach absurd und kann nicht grundsätzlich funktionieren.

Ich möchte die schulmedizinische Diagnostik und insbesondere die Möglichkeiten der Akut- bzw. Notfall-Versorgung nicht verteufeln – ganz im Gegenteil!
Wenn aber chronisch kranke Patienten mit Befunden, Diagnosen und Beschwerden zu uns kommen – und das würde ja nicht passieren, wenn die Vorbehandlung erfolgreich gewesen wäre – müssen diese Eindrücke und Untersuchungsergebnisse quasi übersetzt und evtl. mit individuell sinnvollen komplementären Maßnahmen ergänzt werden.

Wenn wir die gleichen Denkmuster benutzen würden wie der schulmedizinische Vorbehandler, käme nur schulmedizinische Therapie mit biologischen Mitteln dabei heraus!

Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker haben eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und stellen für den mündigen Bürger eine Alternative dar, die den Bedürfnissen und der freien Entscheidung der Patienten gerecht wird.
Nach schon älteren Berechnungen spart das öffentliche Gesundheitssystem zudem ca. 15 % der Ausgaben dadurch ein, dass viele unserer Patienten die Rechnungen selber bezahlen.
Dies abzuschaffen, würde allein schon ein gesundheitspolitisches Problem darstellen…
Die Forderungen nach Einschränkung und möglichst Abschaffung der Heilpraktiker sind vollkommen unsinnig und nicht begründbar – außer mit der zunehmenden Konkurrenzsituation zu den IGEL-Leistungen der Ärzte, die ja auch zahlenmäßig gut in den politischen Gruppierungen vertreten sind und offensichtlich ihrem Lobby-Auftrag auch nachkommen…
Nach dem Medien-Shitstorm in 2018 und den blamablen Auftritten von sog. naturwissenschaftlichen und ärztlichen „Experten“, sowie Medizin-Journalisten, die sich in diversen Diskussionsrunden und Ausschüssen überwiegend durch Unkenntnis der HP-Ausbildung und -Ausübung hervorgetan haben, hatten wir gehofft, dass es in 2019 ruhiger wird – aber weit gefehlt!
Der Einzel-Zwischenfall eines Kollegen in Brüggen-Bracht wurde zum x-ten Mal aus der medialen Mottenkiste geholt, um damit die Notwendigkeit von Heilpraktiker-Einschränkungen bzw. die Abschaffung zu fordern.

Die Begründungen sind unterschiedlich und oftmals faktisch falsch – mal ist es die angeblich mangelhafte Ausbildung, dann das angebliche Gefahrenpotenzial durch unsere Therapien, dann wieder die angeblich fehlenden Hygiene-Vorgaben usw. …

Mögliche therapeutische Schadenspotentiale also ausdrücklich den alternativen bzw. den komplementären Therapieverfahren und insbesondere den Heilpraktikern zuzuordnen, ist eine dogmatische – wenn bewusste, dann freche, populistische Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse.

Z.B. wurde das Hygieneproblem einer Kölner Radiologiepraxis im letzten Monat mit einem Toten und 28 Infizierten mit Pseudomonaden von Hygiene- und Infektionsexperten als dramatisch eingestuft – den Medien war es aber nur einen kleinen Artikel im Lokalteil wert.
Ein kritik- und offensichtlich recherchelos übernommener Kommentar zur Abschaffung der Heilpraktiker wurde in einer regionalen Tageszeitung dagegen auf die Titelseite gesetzt…

Schulmediziner und Ärztekammer-Vertreter sollten sich mal ,,an die eigene Nase packen”:
- Tatsache ist, dass die Haftpflichtversicherungsbeiträge der Heilpraktiker seit Jahrzehnten zu den mit Abstand niedrigsten im Versicherungswesen gehören und mit deutlichem Abstand unter denen von Ärzten liegen!
- Nach Schätzungen des Wissenschaftlichen lnstituts der AOK sterben jährlich tausende Menschen durch vermeidbare ärztliche Behandlungsfehler in Kliniken!
- Allein die Techniker-Krankenkasse meldet im Jahr 2016 tausende Verdachtsfälle von Behandlungsfehlern und fordert einen 2-stelligen Millionenbetrag von Ärzten und Kliniken zurück!

Weiterhin scheint es den häufig selbsternannten ,,Experten” vollkommen unbekannt zu sein, dass etliche Patienten – wenn nicht sogar die Mehrzahl – uns Heilpraktiker deshalb konsultieren, weil die schulmedizinische Vorbehandlung offensichtlich keinen Erfolg hatte.
Unsere Patienten als unmündige, abgezockte Opfer von Scharlatanen zu bezeichnen, ist eine Frechheit!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
so unerfreulich die politischen Nebenschauplätze auch sind, wir lassen uns nicht unterkriegen.

Im Dachverband Deutscher Heilpraktiker-Verbände / DDH verfolgen und diskutieren wir das seit Jahren und Sie können sicher sein, wir bleiben am Ball, um unseren Berufsstand und unseren berechtigten und unverzichtbaren Platz im Gesundheitswesen langfristig zu sichern!

Im Gegensatz zu einigen anderen HP-Verbands-Vorsitzenden, die aus verschiedensten Gründen auch nicht im Dachverband (DDH) sind, aber lautsprecherisch die Kollegenschaft verunsichern und Musterprozesse in den Sand setzen, arbeiten wir mit Fakten – mit und für diverse Kommissionen.

Natürlich steht unser Berufsstand auch zukünftig unter besonderer Beobachtung.
Daher dürfen wir uns keine berufspolitischen und therapeutischen „Ausrutscher“ leisten und müssen uns durch vernünftige, erfolgreiche Arbeit in unseren Praxen profilieren.
Dazu gehört nicht nur ein netter Umgang mit den Patienten, sondern vor allen Dingen:   therapeutische Kompetenz!

 

Ich erinnere an die auch für uns geltende Ausbildungs- und Weiterbildungs-Pflicht!
Deshalb meine  Bitte:
• nutzen Sie das Aus- und Weiterbildungsangebot der DDH-Verbände
• unterstützen Sie die Verbandsarbeit durch Ihre Mitgliedschaft

Nur eine starke Gemeinschaft wie der Dachverband Deutscher Heilpraktiker-Verbände e.V. (DDH) mit seinen einzelnen Trägerverbänden kann die fachlichen, rechtlichen und berufsständischen Fragestellungen den politischen Institutionen, Krankenkassen und der Öffentlichkeit gegenüber vertreten und finanzieren!

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in der Praxis und ein glückliches „therapeutisches Händchen“.

 

Matthias Mertler, Heilpraktiker
Vorstand und Bundesfachfortbildungsleiter
Des Freien Verbandes Deutscher Heilpraktiker e.V. (FVDH)